Wie OnePlus anfing, Trends zu folgen

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Im Laufe dieser Woche wird OnePlus seine neuen Flaggschiff-Smartphones in London vorstellen. Sicherlich bekommen wir dann auch das neue OnePlus 7T Pro zu sehen. Es sollte ein beeindruckendes Gerät sein, doch es zeigt auch, dass OnePlus mittlerweile mit Branchentrends konform geht. Aus dem Flaggschiff-Killer ist ein Flaggschiff-Konformist geworden.

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OnePlus ist ein junges Unternehmen. Pete Lau, ehemals Vizepräsident von Oppo, hat das Unternehmen 2013 zusammen mit Carl Pei gegründet. Das Ziel schien von Anfang an klar: Man wollte das komplizierte Durcheinander eines gesättigten Smartphone-Markts überwinden und eine einzige Option für alle anbieten, die ein High-End-Smartphone wollen, ohne dafür High-End-Preise zu zahlen. “Never Settle” war der passende Slogan dafür.

Im Jahr 2015 verkündete Pete Lau, man wolle das Muji der Technikbranche sein. Die japanische Lifestyle-Marke, die alles von Kleidung und Möbeln, über Schreibwaren bis hinzu Lebensmitteln verkauft, ist eines der harmonischsten Unternehmen, die es in Sachen Branding gibt. Alles ist einfach und doch gut gemacht. Es war ein gutes Vorbild für OnePlus und eine Weile funktionierte es so.

Ich war fasziniert von OnePlus, als ich 2015 erstmals mit dem Unternehmen in Kontakt kam. Hier fand ich genau das, was ich von einem Smartphone wollte. Ein Unternehmen, das einfach ein einziges, gutes Gerät anbot. Ohne Gimmicks und überzogene Preis. Es gab einen richtigen Hype um das Smartphone und Youtube-Legende MKBHD widmete dem OnePlus 2 viele Videos. Auch ich habe damals versucht, das Smartphone zu kaufen – doch ich habe meine Einladung nie erhalten.

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Es gab viel Wirbel um das OnePlus 2. / © ANDROIDPIT

Carl Pei gab später zu, dass das Unternehmen die Einführung des Telefons vermasselt habe. Es wurde spät und in kleinen Stückzahlen verschickt. Das Einladungssystem sorgte für eine Aura der Exklusivität und für frustrierte Menschen wie mich, die schon überzeugt waren und das Smartphone einfach nur kaufen wollten. Dann erfuhren die Käufer, dass es nicht wie versprochen ein Update auf Android 7 Nougat geben würde. Meine Begeisterung für die Marke begann nachzulassen. Große Vision, eine Schande, dass es nicht klappt, dachte ich.

Manchmal ist weniger mehr

Springen wir in die heutige Zeit. Viel hat sich verändert. Der frühe Charme und die Einfachheit haben nachgelassen, OnePlus ist nun einer der bedeutendsten Hersteller von Android-Smartphones. Insbesondere in Indien und Europa. Vom im April 2014 vorgestellten OnePlus One sind wir nun in der siebten Generation gelandet, von der es vier Varianten gibt. Auch der Preis hat sich geändert. Zwar kennen wir den Preis des OnePlus 7T Pro noch nicht, aber er wird wohl zwischen einem Samsung Galaxy S10e und einem S10 liegen.

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Shu hält zwei der derzeit verfügbaren OnePlus-7-Smartphones. / © AndroidPIT

Tatsächlich sind die einzigen Flaggschiffe, die OnePlus heutzutage beim Preis killt, die anderen “Pro”-Modelle. Die 1.000-Euro-Smartphones wie ein Samsung Galaxy Note 10 Plus oder ein iPhone 11 Pro Max. Die Giganten. Mittelklasse-Geräte, angeführt von Xiaomi, schließen noch immer die Lücke zwischen dem, was man heute für 500 oder 900 Euro bekommt. OnePlus wird zunehmend in eine Nische gedrängt.

Die Einfachheit ist ebenfalls verloren gegangen. Seit dem OnePlus 3T vom November 2016 gibt es die T-Serie und zu Beginn dieses Jahres hat OnePlus erstmals die Pro-Variante vorgestellt. Satt zwei, gibt es jetzt vier Smartphones pro Jahr aus dem Hause OnePlus. Wer sich 2015 einfach das OnePlus 2 gekauft hat, sieht sich nun mit der Wahl zwischen dem OnePlus 7, dem 7 Pro, dem 7T oder dem 7T Pro konfrontiert.

Das Problem mit Pro-Varianten

Es irritiert mich zunehmen, wie Smartphones heutzutage kategorisiert und benannt werden. Als sich die Innovationen auf der Hardware-Seite verlangsamten, wurden die Hersteller umso kreativer, um ihre fast identischen Geräte zu vermarkten. Gerade neulich hatte ich eine Unterhaltung mit jemandem über das iPhone 11 Pro. Dies sei für Profis, für Menschen, die damit ihr Geld verdienen, sagte mein Gesprächspartner. Nein, ist es nicht! Im Jahr 2019 bedeutet der Zusatz “Pro” nichts mehr. Für 200 Euro gibt es ein Realme 3 Pro, ein Xiaomi Mi 9T Pro gibt es für 400 Euro. Das OnePlus 7 Pro fängt bei 700 Euro an, das iPhone 11 Pro kostet ganze 1.149 Euro.

Pro bedeutet im Smartphone-Markt nur noch, dass es sich um das hochwertigste und teuerste Telefon einer bestimmten Kategorie handelt. Es sei denn, es gibt auch noch ein Pro Max, Pro Plus oder eben ein T Pro. Dann sind diese die teuersten Geräte.

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Das Realme 5 Pro ist ein 200-Euro-Smartphone / © AndroidPIT

Aus Marketing-Sicht sieht es natürlich auch viel besser aus, neben einer Standardvariante noch eine Pro-Version anzubieten, anstatt neben dem Standardgerät noch ein günstigeres Modell. Natürlich gibt es auch günstigere Modelle wie das iPhone XR, das Galaxy S10e oder das Pixel 3a. Doch der Konsens scheint klar: Das billige Smartphone wird zum Standardmodell erklärt und dann kommt noch ein Pro-, Plus-, T- oder Max-Modell, für das mehr Geld verlangt wird.

Ich beschäftige mich mit diesen Sachen beruflich und trotzdem wird mir manchmal schwindelig. Für den normalen Nutzer muss es wie ein Minenfeld wirken. Alles sieht gleich aus, hat die gleichen Namenszusätze, fühlt sich ähnlich an. Ich glaube, dass die Smartphone-Hersteller selbst für einen Burnout bei ihren Kunden und das schwindende Interesse an Launch-Veranstaltungen verantwortlich sind. Es ist einfach alles zu verworren geworden.

Versteht mich nicht falsch, ich freue mich auf das 7T Pro. Aber ich vermisse auch die alte Einstellung von OnePlus. Wenn OnePlus wirklich das Muji der Technikbranche sein will, dann muss es den Trends der Branche widerstehen und sich auf die eigenen Werte zurückbesinnen.

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