Umsatzstärkste Fußballclubs: Deutsche Clubs überzeugen als starke Marken

      Comments Off on Umsatzstärkste Fußballclubs: Deutsche Clubs überzeugen als starke Marken

Zunächst zur Spitzengruppe: Zum ersten Mal grüßt der FC Barcelona von ganz oben. Der aktuelle Spitzenreiter der spanischen Primera Division, der soeben seinen Trainer Ernesto Valverde vor die Tür gesetzt hat, setzte in der Saison 2018/19 exklusive Transfererlöse von insgesamt 840,8 Millionen Euro um. Damit hat erstmals ein Verein einen Gesamtumsatz jenseits der 800 Millionen Euro erwirtschaftet. Als Deloitte die Liste vor zwei Jahren angefertigt hatte, befanden sich die Katalanen noch mit 648,3 Millionen Euro auf Rang drei.

Die umsatzstärksten Clubs Europas

Die bisherige Nummer eins Real Madrid kam mit Gesamterlösen von 757,3 Millionen Euro diesmal auf den zweiten Rang. Manchester United verteidigt Platz drei und durchbricht mit einem Gesamtumsatz von 711,5 Euro erstmals die 700-Millionen-Euro-Grenze. Insgesamt belaufen sich die Umsätze der 20 finanzstärksten Fußballclubs laut Deloitte auf 9,3 Milliarden Euro – das ist nicht nur eine Steigerung von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, sondern auch ein neuer Rekord.

Und die deutschen Spitzenclubs? Der FC Bayern München schafft es wie vor zwei Jahren auf Platz vier. Der deutsche Rekordmeister setzte ohne Transfers in der Saison 2018/19 insgesamt 660,1 Millionen Euro um (+5 Prozent). Borussia Dortmund konnte mit einem Gesamtumsatz von 377,1 Millionen Euro bereits zum dritten Mal in Folge Platz 12 in der Football Money League verteidigen. Der FC Schalke 04 schaffte mit einem Gesamtumsatz von 324,8 Millionen Euro den Sprung in die Top 15.

Größter Umsatztreiber sind traditionell die Medienerlöse. Diese machten in der berücksichtigten Spielzeit 44 Prozent der Gesamtumsätze aus, sagt Kim Lachmann, Senior Manager in der Sport Business Gruppe bei Deloitte. Die Bundesligaclubs haben dabei von dem 2017 neu in Kraft getretenen nationalen Medienrechtevertrag profitiert, erklärt Stefan Ludwig, Leiter der Sportbusiness-Gruppe bei Deloitte. Die Ausschüttungen erhöhen sich aufgrund der vorgesehenen Staffelung von Saison zu Saison. “Trotzdem sind die Medienerlöse hierzulande nicht so üppig wie beispielsweise in Spanien oder England”, so Ludwig.

Ein weiteres Manko von Medienerlösen: Die Clubs haben darauf nur geringen direkten Einfluss, erläutert Lachmann. Das ist kein Spezialproblem der Bundesliga. Selbst in Spanien, wo der FC Barcelona und Real Madrid ihre Fernsehverträge bis vor Kurzem selbst aushandeln durften, werden die Medienrechte inzwischen zentral vergeben.

Um sich nicht zu abhängig von TV-Geldern zu machen, tun Clubs deshalb gut daran, ihre eigene Marke zu stärken. Der neue Spitzenreiter hat dies offensichtlich erkannt und kümmert sich nun selbst um Merchandising und Lizenzierung, statt diese Aufgaben wie bisher an externe Anbieter zu vergeben. “Das verschaffte den Katalanen deutliche Zuwächse bei den kommerziellen Erlösen”, so Lachmann.

In diesem Bereich ist der FC Bayern bereits seit Jahren Vorreiter. Bei den Münchnern machten kommerzielle Erlöse in der Saison 2018/19 mit 54 Prozent den Großteil der Umsätze aus. Auch Schalke 04 profitiert von seiner Markenstärke. Im Berichtszeitraum meldeten die Knappen kommerziellen Erlöse in Höhe von 110,1 Millionen Euro, was mehr als einem Drittel des Gesamtumsatzes entspricht. Schalke erwirtschaftet damit in diesem Bereich etwa das Doppelte wie die Plätze 16 bis 20 in Deloittes Football Money League.

“Ein stärkerer Fokus auf die Zugkraft der eigenen Marke kann sich für die Clubs auszahlen”, bestätigt Lachmann. Dies würden auch die Ergebnisse der aktuellen Deloitte-Analyse zum Thema Merchandising zeigen. Demnach erwarten 87 Prozent der befragten Clubs im kommenden Jahr eine positive Umsatzentwicklung beim Merchandising. “Bei den Käufern planen sogar 92 Prozent in den nächsten zwölf Monaten gleich viel oder mehr Geld für Fanartikel auszugeben”, so Lachmann weiter.

Ob man mit dieser Strategie die Konkurrenz ein- oder sogar überholen kann, darf bezweifelt werden. Zwar seien die in der Football Money League abgebildeten Clubs auf gutem Weg, in naher Zukunft die 10-Milliarden-Euro-Grenze zu durchbrechenso Ludwig. “Wir haben allerdings beobachtet, dass sich innerhalb der Top 20 eigene Mini-Ligen bilden – so setzen sich beispielsweise die finanzstärksten Clubs immer weiter ab. Für einen Platz in den Top 7 mussten die Clubs in der Saison 2018/19 mehr als 600 Millionen Euro erwirtschaften.” Selbst ein Champions-League-Teilnehmer wie der SSC Neapel auf Platz 20 müsste seinen Umsatz also mindestens verdreifachen um finanziell vorne mitspielen zu können.

„Ein stärkerer Fokus auf die Zugkraft der eigenen Marke kann sich für die Clubs auszahlen.“

Kim Lachmann, Deloitte

Allerdings gibt es bislang nch wenig erschlossene Bereiche, die den Clubs neue Vermarktungspotenziale zu eröffnen. Dazu zählt der Frauenfußball. Dieser spielt bei den europäischen Topclubs eine zunehmend prominentere Rolle, wie etwa auch das Beispiel FC Bayern München zeigt. “Die Entwicklung hier verspricht spannend zu werden – und kann sich auch über eine ganzheitliche Markenbildung früher oder später auf die eigene finanzielle Performance auswirken”, so Ludwig. ire
Original Source

Powered by WPeMatico