Motorola One Vision im Hands-on: Eine Vision der Zukunft

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Beim ersten Motorola One gingen die Meinungen auseinander. Trotz des unstrittigen Erfolges des Smartphones handelte es sich im Grunde nur um ein Smartphone, bei dem alles irgendwie in Ordnung war – mehr aber auch nicht. Dieses Jahr aber hat Motorola etwas anderes vor. Das Motorola One Vision ist gut verarbeitet und bietet neue Funktionen. Motorola zeigt damit, dass man noch viel vor hat.

Neues Design für Motorola

Es ist unmöglich, sich das Motorola One Vision anzuschauen, ohne an andere Smartphone-Marken wie Oppo, Xiaomi oder auch Huawei erinnert zu werden.
Das von mir getestete Gerät hat eine bronzene Farbe. Wobei das fast nicht zu erkennen ist, da der Farbton so dunkel ist, dass es man es für Schwarz halten dürfte. Dass es sich um Bronze handelt, wird deutlicher, wenn Licht auf die Rückseite fällt und diese reflektiert.

Trotz des 21:9-Bildschirms liegt das One Vision aus zwei Gründen gut in der Hand: Die Display-Ränder sind schmal und die Seiten sind abgerundet. Natürlich ist es schwierig, alle Bereiche des Bildschirms mit nur einer Hand zu erreichen, trotzdem ist es angenehm, mit dem Smartphone zu arbeiten. Erfreulich ist auch, dass Motorola das Firmenlogo entfernt hat, dass sich bei den Vorgängern am unteren Display-Rand befand. Dadurch ist der Rand jetzt schmaler.

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Zwei Kameras auf der Rückseite. / © AndroidPIT

Die Dual-Hauptkamera auf der Rückseite steht etwas hervor und unterhalb der Objektive befindet sich der LED-Blitz. Auch der Fingerabdrucksensor sitzt auf der Rückseite. Außerdem gibt es einen Kopfhöreranschluss, USB-C, einen Mono-Lautsprecher, sowie Power-Button und Lautstärke-Wippe auf der rechten Gehäuseseite.

Das erste Motorola One hatte noch eine breite Notch am oberen Bildschirmrand – so wie das iPhone X. Beim One Vision verzichtet Motorola aber komplett auf eine Notch und setzt die Frontkamera stattdessen hinter ein Loch im Display.

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Die Frontkamera sitzt hinter einem Loch im Display. / © AndroidPIT

Kinoformat für die Hosentasche

Das One Vision ist das erste Smartphone von Motorola mit einem 21:9-Bildschirm
, das bei Hollywood-Filmregisseuren beliebt ist. Das Format hat zahlreiche Vorteile – nicht nur bei Filmen. So lassen sich auch lange Texte lesen, ohne viel scrollen zu müssen. Auch der geteilte Bildschirm in Android 9 Pie profitiert von dem neuen Seitenverhältnis.

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Keine Notch, sondern ein Loch. / © AndroidPIT

Obwohl das Display gestreckter ist, als bei anderen Formaten, wie dem traditionellen 16:9-Format, erscheint der Inhalt nicht verzerrt. Der obere Bereich ist hauptsächlich den Systemsymbolen vorbehalten. Anwendungen belegen nicht den gesamten, sichtbaren Bereich, Videos und Spiele stellen aber eine Ausnahme dar. Daher ist das Loch im Bildschirm bei Apps nicht störend und auch bei Videos etwa kaum wahrnehmbar.

Das LC-Display ist sicher eine Stärke des Motorola One Vision. Es zeigt ein klares Weiß und tiefes Schwarz. Es gibt zudem verschiedene Farbprofile, die sich in den Einstellungen auswählen lassen. Natürlich sollte ein Smartphone mit Top-Display auf OLED-Technik setzen. Angesichts des Preises für das One Vision ist ein LCD-Panel aber eine verständliche Wahl.

3 Jahre Android-Updates

Wie der Name nahelegt, ist das Motorola One Vision

Teil des Android-One-Programms und damit ideal für diejenigen, die langfristig Updates für ihr System erhalten wollen.
Zusätzlich zu den Motorola-Apps ist nur die Kamera-Anwendung angepasst und erinnert an die des Google Pixel. Neben drei Jahren monatlichen Sicherheitsupdates sollen Nutzer auch Android Q und R erhalten.

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Das System auf dem Motorola One Vision ist fast ein reines Android. / © AndroidPIT

Apps laufen ohne Änderung auf dem 21:9-Bildschirm, das heißt sie werden nicht verzerrt, sondern automatisch gut an dem schmaleren und länglichen Display angezeigt. Es gibt Usability-Funktionen, um das Smartphone mit einer Hand zu bedienen, doch meist ist das nicht sehr effizient.

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Das 21:9-Display kann mehr Informationen auf einmal darstellen. / © AndroidPIT

Für die Tonwiedergabe gibt es eine integrierte Dolby-Audio-Technik. Allerdings ohne einen speziellen Equalizer. Stattdessen gibt es Profile, die die Wiedergabe für Filme oder Musik optimieren. Die Gestensteuerung lässt sich wahlweise mit oder ohne den Zurück-Button von Android verwenden.

Der Chip kommt von Samsung

Die Leaks erwiesen sich als korrekt:

Das Motorola One Vision ist das erste Motorola-Smartphone, das einen Samsung-Exynos-Chip verwendet.
Das mag ungewöhnlich erscheinen, doch laut Motorola war die Wahl notwendig, um die KI-Funktionen des Systems und bei der Kamera-Software anbieten zu können. Laut Motorola ist der verbaute Exynos 9609 ein neuer Prozessor, der mit den Snapdragon-700-Modellen vergleichbar ist.

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One Vision: Der Name lässt es vermuten, es ist ein Android-One-Telefon / © AndroidPIT

Auf den Galaxy-Smartphone bieten die Exynos-Prozessoren eine gute Leistung und eine gute Akkulaufzeit, obwohl diese mit der One UI laufen, die um einiges komplexer ist, als Android One. Die 4 GByte RAM und 128 GByte Speicher reichen beim One Vision vollkommen aus.

Gute Sicht bei Nacht

Wir haben schon oft geschrieben, dass Megapixel nicht immer mit Qualität gleichzusetzen sind. Beim Motorola One Vision gibt es zwei Kameras auf der Rückseite. Einen Sensor mit 48 Megapixel (f/1.7-Blende) sowie einen zweiten mit 5 Megapixel (f/2.2-Blende). Der Sensor ist optisch stabilisiert, um verwackelte Fotos zu vermeiden.

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Der Hauptsensor des One Vision löst mit 48 Megapixel auf. / © AndroidPIT

Die Software nimmt aber keine Fotos mit 48 Megapixel auf. Stattdessen werden vier Pixel des Sensors zu einem kombiniert, sodass sich ein Bild mit 12 Megapixel ergibt. Das soll für ein ausgeglichenes Ergebnis sorgen und in der Tat sehen die Bilder auf den ersten Blick vielversprechend. aus.

Motorola hat die Oberfläche der Kamera-App nicht geändert, aber um einige neue Funktionen erweitert. Unter anderem um einen Szenenmodus, der auf KI basiert. Die Software empfiehlt automatisch den besten Modus für die erkannte Szene, etwa den Nacht- oder Porträtmodus.

Der Nachtmodus ist eine interessante Funktion der Kamerasoftware.
Er nimmt mehrere Fotos auf und kombiniert sie, um die ideale Belichtung zu erzielen und Rauschen zu vermeiden. Das Ergebnis ist beeindruckend, wie Ihr sehen könnt. Links ist das Foto ohne und rechts mit Night Vision.

Der zweite Sensor ist ebenfalls für den Nachtmodus zuständig, in erster Linie erfasst er aber Tiefeninformationen, die für das Bokeh verwendet werden. Die Frontkamera hat 25 Megapixel (f/2.0-Blende). Hier bietet die Software diverse Gestaltungsmöglichkeiten für Selfies an, etwa einen schwarz-weißen Hintergrund oder selektiven Fokus.

Hier noch mehr Nachtaufnahmen:

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Ein Nachtfoto ohne aktivierten Nachtmodus. / © AndroidPIT
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Ein Foto mit aktiviertem Nachtmodus. / © AndroidPIT

Einen Tag Akkulaufzeit scheint sicher

Der Akku im Motorola One Vision ist 3.500 mAh groß und sollte ohne Probleme einen Tag durchhalten.
In der Box befindet sich ein 15-W-Ladegerät, das in nur 15 Minuten Ladezeit 7 Stunden Betriebszeit bieten soll. Tatsächlich liefert der Akku in Verbindung mit dem Exynos-Prozessor eine gute Akkulaufzeit. Den vollständigen Akkutest liefern wir nach.

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Hier gibt es noch einen Kopfhöreranschluss. / © AndroidPIT

Motorola One Vision: Technische Daten

Abmessungen: 160,1 x 71,2 x 8,7 mm
Gewicht: 180 g
Akkukapazität: 3500 mAh
Display-Größe: 6,3 Zoll
Display-Technologie: LCD
Bildschirm: 2520 x 1080 Pixel (435 ppi)
Kamera vorne: 25 Megapixel
Kamera hinten: 48 Megapixel
Blitz: Dual-LED
Android-Version: 9 – Pie
RAM: 4 GB
Interner Speicher: 128 GB
Wechselspeicher: microSD
Anzahl Kerne: 8
Max. Taktung: 2,2 GHz
Konnektivität: HSPA, LTE, NFC, Dual-SIM , Bluetooth 5.0

Eine Vision der Zukunft

Vielen Nutzern reicht nicht mehr aus, was Motorola Jahr für Jahr mit der G- oder der Z-Serie abgeliefert hat. Mit dem Morotola One Vision will das Unternehmen auch eine Option für anspruchsvolle Nutzer im Portfolio haben. Die sollen mit der Orientierung an aktuelle Markttrends und kleinen Innovationen zufriedengestellt werden. So bietet das Smartphone eine bessere Kamera als das Pocophone F1 und einen dedizierten Nachtmodus wie ihn beispielsweise Huawei und Google im Angebot haben. 

Obwohl Motorola diese Trends aufnimmt, ist das Gerät keine Kopie, sondern präsentiert Motorola-typische Merkmale aus einem anderen Blickwinkel – sowohl bei Design als auch Software. Es ist ein interessantes Smartphone für alle, die regelmäßige Updates wollen, eine gute Kamera brauchen und viele Multimediainhalte konsumieren.

Das One Vision unterscheidet sich klar vom ersten Motorola One. Bei unserem Gespräch mit Motorola wurde klar, dass das Smartphone nicht als Konkurrenz zu den eigenen Produkten gedacht ist. Vielmehr will Motorola hier Funktionen für eine Zielgruppe bieten, die das bestmögliche Produkt zu einem vernünftigen Preis sucht. Für 300 Euro ist dies ein definitiv sehr attraktives Smartphone.

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