Motorola Moto G6 im Hands-on-Test: Verfeinerung der Mittelklasse

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Moto G6: Preis und Verfügbarkeit

Das neue Moto G6 wurde gemeinsam mit dem G6 Play und G6 Plus während eines Events in São Paulo, Brasilien vorgestellt. Das Moto G6 kostet in Deutschland 249 Euro, das G6 Play kommt auf 199 Euro und die Plus-Variante schlägt mit 299 Euro zu Buche.

Das neue Smartphone wird ab dem 03. Mai in der Farbe Indigo Blue erhältlich sein, weitere Farben sollten folgen. Das G6 Play und das G6 Plus werden erst später, aber noch Anfang Mai in den Läden erscheinen.

Moto G6: Design und Verarbeitung

Abgesehen von der runden, abstehenden Kameraeinheit auf der Rückseite, die mittlerweile typisch für Motorola-Smartphones ist, erinnert das G6 nicht an die bisherigen G-Modelle. Es erinnert eher an das Moto X4 mit seiner Rückseite aus Glas und der hochwertigen Anmutung. Ich konnte die Version in Indigo Blue ausprobieren, welche sehr dunkel und elegant daher kommt.

Apropos elegant – ein Adjektiv, das ich so für die G-Serie bisher nicht nutzen konnte. Die runde Kamera auf der Rückseite sitzt nun etwas tiefer, auch hier ähnelt das G6 dem X4. Die Kanten sind angenehm abgerundet und außen ist das Smartphone sehr flach gebaut. Die gerade Rückseite trägt aber nicht zu einer guten Ergonomie bei. Das neue Smartphone ist wasserabweisend, trägt aber keine IP-Zertifizierung.

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Das Design des X4 findet auch beim G6 Verwendung. / © AndroidPIT

Das Glas auf Rück- und Vorderseite wird von einem Kunststoffrahmen zusammengehalten. Mit 167 Gramm gehört es nicht zu den Leichtgewichten in der Smartphone-Welt, die Front wird vom 5,7 Zoll großen IPS-Panel im 18:9-Format mit Full HD+-Auflösung dominiert. Ein mittlerweile recht typisches Display. Er kommt allerdings nicht rahmenlos daher, die Flächen um das Display herum sind aber im Vergleich zu den Vorgänger erfreulich geschrumpft. Die Rückseite erinnert an ein Galaxy S7 Edge.

Moderner, aber einfacher Prozessor

Mit dem tollen Äußeren kann der Prozessor leider nicht ganz mithalten. Wir sprechen hier von einem Qualcomm Snapdragon 450, ein Achtkerner mit max. 1,8 GHz. Ihm zur Seite steht eine Adreno 506 GPU mit 600 MHz. Zur Auswahl stehen Versionen mit 3 bzw. 4 GByte Arbeitsspeicher und 32 bzw. 64 GByte Hauptspeicher.

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PUBG läuft auch auf dem G6, wenn auch mit niedriger Grafikeinstellung. / © AndroidPIT

Es handelt sich hierbei also um einen modernen Prozessor der Qualcomm-400er-Serie, der auch den in der Mittelklasse oft eingesetzten Snapdragon 625 übertrifft. In unserem kurzen Hands-on mit dem G6 haben wir gleich eine schnelle Runde PUBG ausprobiert und das G6 hat diesen Test gut überstanden. In unserem finalen Test werden der Performance natürlich genauer auf den Zahn fühlen.

Der Akku misst 3.000 mAh, was auf den ersten Blick nicht sehr groß erscheint, vor allem in Verbindung mit einem so großen Bildschirm. Was der Akku zu leisten im Stande ist, werden wir natürlich überprüfen, sobald wir unser Review-Sample in den Händen halten. Motorola liefert auch ein 15W-Netzteil mit dem klangvollem Namen TurboCharger mit, schnelles Aufladen sollte also kein Problem sein.

Mein Testgerät zeigte schließlich eine Screen-On-Zeit von 5 Stunden und 30 Minuten, was zunächst nachvollziehbar klingt. Das Moto G6 ist mit WLAN a/b/g/n Dual Band, GPS und Bluetooth mit EDR und LE ausgestattet, ein NFC-Chip ist leider nicht verbaut. Ihr könnt im G6 auch zwei SIM-Karten nutzen, auch eine MicroSD-Karte findet gleichzeitig Platz.

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Mit dem großen Display wird das G6 auch recht lang. / © AndroidPIT

Entgegen mancher Spekulationen ist der Fingerabdrucksensor nach wie vor auf der Vorderseite untergebracht. Er ist nun etwas breiter und dafür schmaler gehalten.

Natürlich finden auch die Moto Actions erneut Verwendung, wie auch weitere Moto-typische Funktionen dank der Moto App. Neu hinzugekommen ist eine spezielle App, die sich um die Steuerung des Dolby Audio System kümmert, Stereo-Sound können wir aber leider nicht genießen. Für ein solches Smartphone hat die Soundqualität aber in unserem kurzen Hands-on einen guten Eindruck hinterlassen.

Eine Kamera für die Kreativen

In den letzten Jahr hat Motorola die Qualität ihrer Kameras deutlich verbessert. Die Moto-Z-Serie hat hier natürlich nach wie vor die Oberhand, die Kameras der Mittelklasse konzentrieren sich vor allem auf Entertainment und Social-Media-Kompetenzen. Auf der Front kommt nach wie vor ein einzelner Sensor zum Einsatz, auf der Rückseite ist aber auch hier eine Dual-Kamera untergebracht.

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Die Kamera-App bringt viele nützliche Modi mit. / © AndroidPIT

Die zweite Linse löst zwar mit weniger Megapixeln auf als die des Moto X4, aber das 12 und 5 Megapixel-Setup hat mit f/1,8 eine größere Blende. Es gibt einen automatischen und einen manuellen Modus, wie auch eine Objekt-Erkennung, welche Szenen und Gegenstände erkennen kann und die Einstellungen der Kamera entsprechend wählt.

Unter den Modi, die die Kreativität unterstützen sollen, finden wir einen Farb-Highlight-, einen Panorama-, einen Portrait-Modus (Bokeh-Effekt) und einen Modus mit animierten Effekte mit Gesichtserkennung. Für Videos steht eine Slow-Motion-, eine Time-Lapse- und eine Animated-Effects-Funktion zur Verfügung. Diese Videos werden in max. 1080p mit 60 fps aufgenommen.

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Der Portrait-Modus bringt ein paar zusätzliche Features zur Nachbearbeitung mit. / © AndroidPIT (by Stella Dauer)

Bilder waren grundsätzlich scharf, auch bei schlechter Beleuchtung. Der Portrait-Modus macht einen guten Job, stolpert aber manchmal über kleine Details. Bilder, die in diesem Modus aufgenommen werden, können nachträglich vielfältig bearbeitet werden. So könnt Ihr den Fokuspunkt wählen, die Farben bearbeiten und sogar den Hintergrund austauschen.

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Mit der Groufie-Funktion passen gleich viel mehr Freunde aufs Foto. / © AndroidPIT (by Stella Dauer)

Die Frontkamera mit 8 Megapixeln will Euch bessere Selfies bescheren. Die ersten Ergebnisse waren zufriedenstellend, es gibt auch ein paar Features, um noch bessere Fotos zu ermöglichen. So gibt es Modi zur Verschönerung der Selfies, ein Groufie-Feature, was wie ein Panorama funktioniert, und die Nutzung bestimmter Effekte. Diese Funktionen stehen auch bei der Aufnahme von Videos zur Verfügung. Auch hier könnt Ihr Slow-Motion- und Time-Lapse-Videos aufnehmen.

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Ihr könnt auch einfach nur eine Farbe in Bildern anzeigen lassen, der Rest bleibt Schwarz-Weiß. / © AndroidPIT (by Stella Dauer)


Software fast auf dem aktuellen Stand

Das Moto G6 ist von Haus aus mit Android Oreo ausgestattet. Das ist erst mal gut, denn damit gehört zu den gerade mal knapp 2% aller Smartphones, die unter Androids aktuellsten Version laufen. Es handelt sich dabei allerdings um Android 8.0, und somit nicht um die allerneueste Variante, die bekanntlicherweise 8.1 ist. Infos zu weiteren Updates liefert der Hersteller natürlich noch nicht, Android P sollte aber seinen Weg auf das G6 finden.

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Oreo ist zwar vorhanden, aber nicht in seiner neuesten Version. / © AndroidPIT

Die Software selbst ist 1 zu 1 gleich mit der des Moto X4, welches erst vor kurzem auf Android Oreo geupdated wurde. Es handelt sich also um ein ziemlich sauberes Android, mit kleinen, aber auffälligen Veränderungen des Herstellers, wie z.B. die verwendeten Icons. Wir finden auch ein paar neue Features im Vergleich zum X4 vor, welche vor allem in der Moto App zu finden sind.

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Motorola hält daran fest, den Fingerabdrucksensor auf der Front zu platzieren. / © AndroidPIT

Motorola setzt auch auf eine eigene Gesichtserkennung. Zwar bringt Android das Feature schon länger von Haus aus mit, die Funktion von Google war aber nie gut umgesetzt. Schon im kurzen Test zeigt sich, dass das auf dem Moto G6 schneller und akkurater funktioniert. Zu bedenken ist allerdings, dass diese Entsperrmethode nach wie vor nicht so sicher ist, wie ein PIN oder ein Passwort. Das Feature funktioniert leider nicht in Dunkelheit.

Vorläufiges Urteil

Es ist noch zu früh, um über die Stärken des Moto G6 zu urteilen, aber das neue Mittelklasse-Smartphone will ein ausgeglichenes Smartphone sein, dass alle Wünsche erfüllt. Während sich das G6 Play vor allem auf Akkulaufzeit und weniger Performance und das G6 Plus auf einen noch größeren Bildschirm mit mehr Performance konzentriert, natürlich auch für einen höheren Preis, will das normale G6 die perfekte Mitte abbilden.

Das Moto G6 hat mir in meinen ersten Minuten mit dem Gerät mit seiner Eleganz und den nun längeren Bildschirm sehr gut gefallen. Auch dass Motorola den Fingerabdrucksensor auf der Front einsetzt, ist für mich ein Pluspunkt. Der Prozessor zeigt, dass auch die nicht ganz so potente 400er-Serie mit schweren Aufgaben umgehen kann. Bevor wir uns ein finales Urteil leisten können, müssen wir natürlich noch mehr Zeit mit dem Moto G6 verbringen, vor allem mit der Kamera.

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