Me Convention: Als Daimler-Boss Källenius Grünen-Chef Habeck einen Job anbot

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Beide kommen gemeinsam auf die Bühne. Sie lächeln, wirken aber dennoch etwas angespannt. Als Daimler-Chef Ola Källenius bei der Me Convention  auf den Bundesvorsitzenden der Grünen, Robert Habeck, trifft, ist der Saal gut gefüllt, vor allem mit jungen Menschen. Es liegt Spannung in der Luft. Am Donnerstagmorgen hatte Habeck noch in einem Interview gefordert: “Es braucht die klare gesetzliche Vorgabe, dass ab 2030 nur noch emissionsfreie Autos neu zugelassen werden. Bis dahin müssen jährlich steigende Quoten für emissionsfreie Autos den Weg ebnen.” Das riecht nach Krawall. Zumal es auf der Bühne um Klimaschutz, um E-Mobilität und um eine, in der öffentlichen Wahrnehmung, verschlafene Autoindustrie geht. Grüne und Auto, das geht doch eigentlich nie, sieht man von Baden-Württemberg mal ab.

„Wir müssen in Mobilität denken und nicht in einzelnen Autos.“

Robert Habeck, Grüne

Doch schon nach den ersten Sätzen ist klar. Es geht heute nicht um Klischees und alte Kämpfe. Vor allem steht im Mittelpunkt der Dialog, der Austausch, das Miteinander ins Gespräch kommen. Sachlich debattieren die beiden, nüchtern, vor allem aber ohne Schaum vor dem Mund und gegenseitige Vorwürfe, trotz kleiner Spitzen.

Die beiden sind so voneinander und ihren Ideen angetan, dass Källenius schmunzelnd Habeck gar einen Job als Vertriebschef anbietet. “Nicht ihr müsst das lösen, sondern wir müssen gemeinsam zu Lösungen kommen”, ist die Grundtonalität des einstündigen Gespräches. “Ich erkenne an, dass die Hersteller versuchen, das Ruder herumzureißen”, sagt Habeck. Schade findet er es nur, dass sie es jetzt unter enormen Zeitdruck tun müssen. “Wir sind hinter der Welle”, sagt der Politiker. “Wir brauchen mehr Tempo.”

„Wir gehen massiv in die E-Mobilität rein“

Ola Källenius, Daimler

Källenius sieht sich dagegen in der Spur: “Wir gehen massiv in die E-Mobilität rein”, sagt er. Und weiter. “Nur auf ein Pferd zu setzen, wäre zu riskant. Wir glauben, dass der Verbrenner uns noch länger erhalten bleibt.” Vor allem auf dem Land, aber auch in den Übersee-Märkten. Es geht ihm um Augenmaß, um keine Verteufelung. Daimler hat das Ziel ausgegeben, dass bis 2030 jeder zweite Mercedes elektrisch fahren soll, will in allen Segmenten mit Produkten präsent sein. Auf ein konkrete Jahreszahl, wann in Deutschland nahezu emissionsfrei gefahren wird, will er sich aber nicht festlegen lassen, auch wenn Habeck immer wieder 2030 ins Spiel bringt.

Doch zur CO2-Reduzierungen gehören auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur, Anreize für den Umstieg auf E-Mobilität, eine bessere Vernetzung des Individualverkehrs, bezahlbare E-Autos. “Es braucht einen Maßnahmenmix”, sagt Habeck. Was ihm mindestens genauso wichtig ist:  “Wir müssen in Mobilität denken und nicht in einzelnen Autos.” Er und Källenius sehen hier auch die Politik gefordert.  “Wir brauchen eine Planungssicherheit, um Entscheidungen für Investitionen treffen zu können”, sagt Källenius. Habeck zeigt für den Wunsch Verständnis.  “Wenn die Automobilbranche ihre Hausaufgaben macht, können wir nicht zu spät bei der Energiewende sein”, sagt Habeck. Mietrecht, Baurecht, Steuerpolitik, Regulatorik werden mal eben kurz gestreift. Der Automanager nickt dabei immer wieder und erinnert ganz nebenbei daran, dass das Gerede über die E-Mobilität wenig überzeugend ist, “wenn wir keinen grünen Strom tanken.”

Dafür kann der Daimler-Chef mit einer CO2-Bepreisung leben. Aber es werde noch “bis zu zehn Jahre“ dauern, ein Elektroauto zwischen 10.000 und 15.000 Euro auf den Markt zu bringen – wegen der Technologie- und Entwicklungskosten. Gleichzeitig erklärt er, dass Daimler von seinen Lieferanten künftig Klimaneutralität erwartet, nicht sofort, aber in einer stetigen Entwicklung. “Wir werden beim Komponenteneinkauf künftig nach dem CO2-Footprint fragen”, sagt der CEO. “Wir müssen unsere Produktionsstufen CO2 frei machen.”

Habeck freuen solche Ansagen. “Wir müssen Mobilität von CO2 befreien, intelligent vernetzen und sicherer machen”, sagt er. Die Debatte sieht er nicht als End-, sondern als Startpunkt. Es ist das Angebot für weitere sachliche Gespräche.

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