Huawei laufen die Kunden weg – aus gutem Grund

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Aktuelle Zahlen belegen, wie stark die US-Blockade Huawei schadet. In Deutschland sind die Smartphone-Verkäufe massiv eingebrochen. So leid es mir für für Huawei tut: Es gibt dafür auch gute Gründe, oder zumindest einen.

Zur Erinnerung: Donald Trump hat US-Unternehmen mehr oder weniger verboten, mit Huawei Geschäfte zu machen. Google reagierte als erstes und stellte den Android-Support ein, es folgten Microsoft, ARM und viele weitere Partner, die nun keinen Handel mehr mit Huawei treiben dürfen. Die Sanktionen betreffen die bereits ausgelieferten und momentan verkauften Geräte zwar nicht, haben den Ruf von Huawei aber bereits brutal geschädigt.

Die Konsequenz: Keiner kauft mehr Huawei-Smartphones, auch nicht in Deutschland. Anfang Mai lag Huawei bei den Verkaufsstatistiken laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) noch gut im Rennen, mehr als jedes vierte Smartphone hierzulande kam von Huawei. Ende Mai sind es gerade noch 6 Prozent – ein enorm schneller und harter Absturz. Bei Media Markt und Saturn gingen die Verkäufe von Huawei-Smartphones um die Hälfte zurück, bei Tochtermarke Honor noch immer um 40 Prozent. Aus Kreisen der Netzbetreiber ist zu hören, dass auch Firmenkunden, die Smartphones dort häufig in großen Mengen kaufen, auf andere Marken umschwenken.

Kein Android Q, kein Verkaufsargument

Das Problem sind nicht die Apps, die ja bekanntlich weiter laufen, und wohl auch nicht die Sicherheitspatches, die Huawei ebenfalls weiter verteilen will. Wer sich heute ein neues Android-Smartphone kaufen möchte oder muss, möchte sein Geld meist nicht für ein Modell ausgeben, bei dem es nach aktuellem Stand der Dinge kein Update auf Android Q geben wird. Genau das ist aber der Fall, wenn sich an der vertrackten Situation von Huawei nichts ändert. Die Hardware kann so gut sein, wie sie will, ohne Software-Unterstützung ist sie nur die Hälfte wert.

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Da hilft auch die Aussicht auf ein eigenes Betriebssystem auf Basis von AOSP nicht viel, das Huawei noch in diesem Jahr als Google-Alternative auf den Markt bringen möchte. Diese Software ist derzeit noch viel zu sehr eine große Unbekannte, sowohl was die Features, Unterschiede zu Android und die App-Unterstützung anbelangt. Auch steht nicht fest, ob Huawei das neue OS auf bestehende Smartphones bringen kann und wird. Die sprichwörtliche Katze im Sack also.

Huawei hat die schlechteren Argumente

Ich rechne zwar immer noch damit, dass sich die Situation lösen wird und die beteiligten Parteien zu der Einsicht kommen, dass die aktuelle Lage keinen Gewinner kennt, auch nicht auf Seiten der USA. Der G20-Gipfel Ende Juni wäre ein guter Zeitpunkt für Gespräche zwischen US-Präsident Trump und Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping. Trotzdem ist die ungeklärte Zukunft von Huawei-Smartphones ein valides Argument, derzeit nicht zu einem Smartphone des Herstellers zu greifen.

Das soll ausdrücklich nicht heißen, dass ich persönlich davon abraten würde, sich in der aktuellen Lage ein Smartphone von Huawei zu kaufen. Angesichts der Unberechenbarkeit, mit der Donald Trump seine Entscheidungen trifft, kann ich aber jeden Handy-Käufer verstehen, der momentan auf Nummer Sicher geht und zu einer anderen Marke greift.

Glaubt Ihr, dass Huawei bald einen Ausweg aus dem Schlamassel finden wird?

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