108 Megapixel in einer Smartphone-Cam – ist das geil oder einfach nur Panik?

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Das gerade in Madrid vorgestellte Xiaomi Mi Note 10 ist das erste Smartphone, das die 100-Megapixel-Schallmauer in einer Smartphone-Kamera durchbricht. Ob das ein echter Vorteil für den Kunden ist, müssen unsere Tests zeigen. Die Pixel-Inflation bei der Smartphone-Kamera ist aber ein Symptom für ein ganz anderes Problem – nämlich für einen langsamen Niedergang des Reizes, der im Smartphone-Markt lag.

Es ist unglaublich, dass es gerade mal 12 Jahre her ist, als Steve Jobs das erste iPhone vorstellte – und damit den Grundstein für unglaubliche Veränderungen legte. Seither hat sich die Art und Weise verändert, wie wir kommunizieren, navigieren, Bilder schießen, Erinnerungen teilen. Sicherlich ist nicht jede Veränderung gut. Aber alles in allem haben uns die Smartphones viel Komfort, neue Möglichkeiten – und vor allem jede Menge spannende Momente geschenkt. Vor jedem Produktlaunch, bei jeder neuen App und Software-Update des Betriebssystems fieberte man dem Moment entgegen. Was hat man sich einfallen lassen? Womit überrascht man uns?

Es ist langweilig geworden. Und da hilft offenbar nur eines: VIEL!

Nach 12 Jahren iPhone und 10 Jahren Android scheint das Thema Smartphone austherapiert. Große, bahnbrechende Änderungen: Fehlanzeige! Schlimmer ist dabei noch, dass die Formfaktoren, die Software und Features sich immer weiter angleichen.

Für die Hersteller ist die Innovationslosigkeit ein echtes Problem. Man kann sich an sich nur über die Marke und dem dazugehörigen Marketing-Budget unterscheiden. Oder aber über technische Spezifikationen und dem Preis. Um aus der Masse herauszustechen, greifen Hersteller die ganz große Keule aus und versuchen mit hohen und noch nie dagewesenen Zahlen zu beeindrucken.

Das heute vorgestellte Mi Note 10 von Xiaomi passt hier ganz hervorragend in dieses Bild. Xiaomi wirbt damit das erste 108-Megapixel-Smartphone mit Penta-Kamera weltweit zu sein. Penta-Kamera heißt dabei, dass es fünf Kameras und Sensoren gibt. Das klingt erstmal geil, heißt aber nicht zwingend, dass viel auch gut ist. Mein Kollege Stefan hat das sehr gut in seinem Artikel zum Xiaomi Mi Note 10 erklärt.

Vor einigen Jahren war es noch das „Feature Fucking“ – also, das Einbauen möglichst vieler, aber nicht zwingend nützlicher Funktionen. Das verkauft nicht unbedingt Telefone. Also kommt jetzt die Tech-Specs-Inflation, bei der große Zahlen uns Kunden große Innovationssprünge vorgaukeln sollen.

Mal sehen, was das Xiaomi Mi Note 10 wirklich kann.

AndroidPIT xiaomi mi note 10 front
Das Xiaomi Mi Note 10 hat beeindruckende Spezifikationen. Ist das nur Marketing? / © AndroidPIT

Bitte versteht mich nicht falsch: ich will keineswegs sagen, dass die Kamera von Xiaomi nichts kann. In meinen ersten Tests fand ich sie sogar recht gut und der Zoom hat mich gar schwer beeindruckt. Aber mir graut davor, dass wir Konsumenten bald mit Höher-Schneller-Weiter-Mehr-Versprechen zugeschüttet werden und sich ein falsches Bild in unseren Köpfen manifestiert.

Es ist nämlich zu befürchten, dass man die blanke Zahl heranzieht, um dann die Qualität eines Produkts zu beurteilen. „Mein Akku ist viel besser, weil er 12.000 mAh hat“. Sicher, ein solcher Akku in einem Telefon bei akzeptabler Größe wäre ein Renner. Aber nur dann, wenn auch die Software darauf abgestimmt ist.

Das gilt übrigens auch im besonderen Maße für Smartphone-Kameras. Der Bildsensor und die Linsen sind sicherlich das Eine. Das Andere ist aber, was die Softwareentwickler aus ihrer Kamera herausholen können.

Wir sind Mitten drin in der Tech-Spec-Inflation. Erst gab es die Dual-Kamera, dann die Triple-Kamera. Und natürlich kurz darauf die Quad- und jetzt die Penta-Kamera. Leider sind die Bilder dadurch nicht zwingend besser geworden. Es geht nicht um Sinn, sondern um Marketing.

Es bleibt zu hoffen, dass es en vogue bleibt, auf Qualität zu setzen und weniger auf Quantität. Weniger ist nicht zwingend mehr. Selbiges gilt aber auch, dass mehr nicht mehr ist.

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